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Jacob Böhmes „De Signatura Rerum“ (1622)

11. bis 12. November 2022 in Görlitz

Veranstalter: IJBG e.V.

 

Eine erste Einführung in das Werk finden Sie hier: weiterlesen

 

Auf der diesjährigen Jahrestagung der Internationalen Jacob Böhme -Gesellschaft e.V. steht Jacob Böhmes Werk De Signatura Rerum im Vordergrund, das in diesem Jahr sein 400-jähriges Jubiläum feiert. Das Werk zählt zu den einflussreichsten Werken Jacob Böhmes, wie u.a. Johann Caspar Lavaters Physiognomik, Walter Benjamins Trauerspielbuch (1928) und Carl Gustav Jungs Psychologie und Alchemie (1943) zeigen.

In diesem Werk schreibt Böhme als „Arzt“, das Buch ist eine „Cur“  (Kur) für den Leser. Es schließt sich insofern an die psychologischen Schriften an, befasst sich aber mehr noch mit der geistigen Kur, mehr in der Nähe des Paracelsus, der Zeichen („Signatura“), mithin der Natursprache. Das Werk „de signatura rerum“ gehört zu den schwierigsten Schriften Jacob Böhmes. Das soll uns aber nicht abschrecken, im Gegenteil: Wer sich mit diesem Werk befasst hat, dem fallen auch die anderen Werke leichter zu lesen.

Dieses Werk Böhmes ist stark von der paracelsischen Signaturenlehre geprägt. Indem Böhme aber etwas völlig Eigenständiges formt, das mit angewandter Alchemie kaum etwas zu tun hat, steigert sich der Bedeutungsgehalt dieser Schrift enorm. Ausgehend von der Annahme, dass es möglich ist, „an der Signatur im eussern die jinnere gestaltnuß (sc. zu) sehen“ (Kapitel 8, S. 613, van Ingens-Ausgabe), umspannen Böhmes Erkenntnisse u.a. Schöpfungsprozesse, eine Philosophie des Willens, die Entstehung (seelischer) Krankheiten, die Urbarmachung von Christus als Prozess bis hin zu eschatologischen Ausführungen, die das Ende der Welt betreffen.

Angesichts dieser Komplexität verwundert es nicht, dass das Werk im naturkundlichen Diskurs oder von Alchemisten nach Böhme nicht nur ausschließlich im Sinn naturwissenschaftlicher Innovationen rezipiert wurde (Joachim Telle 2009).

Ziel der Tagung ist es, Böhmes zentrale Ideen in diesem Werk nachzuzeichen, den geschichtlichen Kontext dabei näher zu beleuchten und die Rezeptionsgeschichte dieser Ideen aufzuarbeiten. Nicht zuletzt sollen Böhmes Ausführungen für zeitgenössische Debatten fruchtbar gemacht werden: Was können wir von der Idee des „Lesens“ der Dinge, dem Gleichsetzen der Natur mit einem Buch, lernen? Inwiefern ist hier schon die Idee einer „Textförmigkeit der Welt“ vorgezeichnet? Lässt sich daraus eine ökologische Perspektive ableiten – oder eher das Gegenteil? Schließlich kann, wie Hans Blumenberg (1981) gezeigt hat, die Bedeutung von Böhmes Umkehr dieser frühneuzeitlichen Grundmetapher vom „Buch der Natur“ kaum überschätzt werden.

 

Die Tagung wird in Görlitz, im Johannes-Wüsten-Saal der Görlitzer Sammlungen in der Neißstraße 30, stattfinden.

Kontakt

oder

info(at)jacob-boehme.org