Neithard Bethke: Jacob Böhme-Vertonung

Wanderer zwischen den Welten

 

Der Kirchenmusikdirektor und Zittauer Komponist, Prof. Neithard Bethke, hat eine sowohl meditative wie lebendige Komposition zu Jacob Böhmes
Dialog "Colloquium Viatorum" (deutsche Titelvarianten: "Gespräch einer erleuchteten und unerleuchteten Seele", bzw.: "Sende Brieff an eine hungrige und durstige Seele") vorgelegt. Die Bezeichnung lautet:

op. 113/2018-2019 "Colloquium viatorum" - Geistlicher Disput zwischen einer erlösten Seele, einer noch unerlösten Seele  und dem Teufel ; nach einem Text von Jacob Böhme (Görlitz) -  für 3 Vokalsolisten, 3 Soloinstrumente, Streicher und Orgel - Vollständiger Sibelius-Privatdruck (2018)

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Konzert-Bericht: Kampf und Erlösung0001dt

Konzert und Uraufführung am 13. Juni in der Peterskirche/Görliltz im Rahmen des Festivals: „dreyfach leben“ der Internationalen Jacob-Böhme-Gesellschaft

Der Komponist Neithard Bethke nahm sich Texte aus Böhmes „Colloqouim Viatorum - Gespräch einer erleuchteten und einer unerleuchteten Seele" und schrieb dazu ein großformatiges Werk, das die Aktualität Böhmes bestätigt. Die hungrige Seele begegnet dem Teufel, der dem Irdischen alle Qualitäten bescheinigt, die das Himmlische vermissen lässt. Eine erleuchtete Seele stellt sich dagegen und unterweist die der Verführung zugänglichen Figur, sich nicht überreden zu lassen, auch wie sie sich vom Bild des Teufels, das sie bezaubert, befreien kann. Statt eines glücklichen Endes, bei dem Gott die Erlösung verfügt, bleibt der Hunger ungestillt, aber ein Weg, kein leichter, aus dem Elend wird gewiesen: „Ich muss durch Hitze und Kälte, bevor ich Gottes Früchte trage, durch Kampf und Mühsal werde ich bewährt, auch geläutert werden!“ In der Nachfolge Jesu Christi wird sie das Paradies in sich finden. Typisch Böhme, ist ohne aktive Beteiligung der Seele keine Nähe zu Gott zu erreichen.

Bethke verteilt den Text auf vier Solisten und Chor. Zwei Vibraphone, ein Saxophon, Orgel, Streicher und ein umfangreiches Schlagwerk sorgen für einen wuchtigen Klang, der die Dramatik des Stoffs übersetzt. Bethke kennt die Musik des 20. Jhdts. sehr gut, findet aus der Komplexität dieser Geschichte heraus und artikuliert seit vielen Jahren seine eigene Tonsprache. Vielfalt, Freude an ironischen Harmonien und ein sicheres Gespür für die Proportionen, bringen auch dieses Werk zu der ihm eigenen Originalität. Warum nach Zitaten suchen? Referenzen sind im Verlauf der Uraufführung Schall und Rauch, denn die Beteiligten übertragen die Anziehungskraft in ein konzentriertes Musizieren sui generis.

Der Görlitzer Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger hat die Einstudierung erarbeitet und ordnet die Stimmen mit angemessenen Impulsen und sicherem Geschick. Da wackelt nichts. Die Dramaturgie der Komposition wird nachvollziehbar. Darum geht es ja bei einer Uraufführung.

Eröffnet wurde das Konzert mit einem Cantus Choralis a capella von Johann Knöfel, einem Komponisten des 16. Jhdts. und Zeitgenossen Böhmes. Eine kluge Wahl. Denn sie machte klar, in welch diszipliniertem, geistigen Kontext der ehemalige Schuster lebte; wie er sich frei schrieb und die Grenzen des Glaubens und der Erkenntnis verschob. Der Görlitzer Kammerchor hatte keine Mühe, das vielstimmige Werk vorzutragen.

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Die Peterskirche hat ihre akustische Tücken. Wer hinten saß, war ein wenig verloren und hatte die Mühe, dem Wechsel zwischen Laut und Leise mit seinen Unterschieden genau zu folgen. Die Solisten agierten am Limit, stemmten aber ihre Texte mit einer genauen Einschätzung. Eine kleine Mikrofonunterstützung wäre sinnvoll gewesen. Purismus ist bei solchen Hallinversionen am falschen Platz.

Das Werk wurde aufgezeichnet und wird bald verfügbar sein. Dann wird sich Bethkes Böhme-Hommage genauer wahrnehmen lassen. Noch besser wäre bald eine zweite Aufführung in einem Raum, der vielleicht auch eine kleine Szenografie ermöglicht. Wenn sich die Sänger im Dialog gegenüberstehen, erhalten die Texte eine psychologische Qualität, die das Ringen Böhmes um Wahrheit und Erlösung mit zusätzlicher Kraft aufladen.

Reiner Schweinfurth

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Zum Text von Jacob Böhme finden Sie hier eine Einführung: Weiterlesen

Zu Neithard Bethke: Weiterlesen

Anja Uhlemann über Neithard Bethkes Kompositon. Weiterlesen

Rezension in Kirche und Musik Oktober 2021: weiterlesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Ältere Einträge:


 

Jacob Böhme Komposition von Manfred Stahnke

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Die Mitgliederversammlung der IJBG hat am 19.11.2017 beschlossen, dem Komponisten Manfred Stahnke einen Kompositions­auftrag erteilen über ein Ensemblewerk, das voraussichtlich im Sommer 2019 in der Niko­lai­kirche zu Görlitz uraufgeführt werden soll. Die Dauer soll ca. 15-20 Minuten betragen. Spielen wird die Schoole of Night. Nun ist es soweit:

 

Mysterio Magno

Hommage an Jacob Böhme - Klanginstallation in der Nikolaikirche mit nachfolgendem Gespräch mit dem Komponisten Manfred Stahnke.

20. Juli 2019 

Beginn 21:00 mit einer Jakob Böhme Führung an dem Grab Jacob Böhmes, 22:00 Beginn der Klanginstallation in der Nikolaikirche.

Produziert von der Internationalen Jacob Böhme-Gesellschaft, der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz und The Schoole of Night.

 

 

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Konzertbericht zu "Jacob Böhme und die Musik"

 

Jacob Böhme und die Musik. Von Gottes Saitenspiel in seiner Liebe.  Von Tobias Schlosser

musik1Am Freitag, den 28.07.2017 und Sonntag, den 30.07.2017 veranstaltete die Internationale Jacob-Böhme-Gesellschaft e.V. gleich zwei gut besuchte Barockkonzerte mit Lesung in Görlitz.  Die Initiative zu diesen Konzerten ging von Dr. Thomas Regehly (Präsident der IJBG) aus. Das erste Konzert fand im Vino e Cultua am Untermarkt statt, das zweite in der Dreifaltigkeitskirche. Gefördert wurden beide Veranstaltungen durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) und die Stadt Görlitz, vertreten durch Herrn Dr. Wieler, denen wir herzlich für ihre Unterstützung danken. Das Konzert in der Dreifaltigkeitskirche fand in Kooperation mit der Evangelischen Innenstadtgemeinde Görlitz statt: ihr - namentlich Herrn Pfr. Dr. Pietz und Frau Lammert - gilt unser besonderer Dank für die gelungene Zusammenarbeit, die uns hoffnungs-voll in die Zukunft blicken lässt.

 Als Musiker wirkten Ulrike Scheytt, die auch die musikalische Leitung übernahm, Eva Scheytt, Mira Walerych-Szary und Leon Szostakowski. Präsentiert wurden barocke Werke aus der Zeit, in der Böhme lebte und wirkte, von Italien über Deutschland und Holland bis nach England: Dietrich Buxtehude, Samuel Friedrich Capricornus, Dario Castello, John Dowland, Tarquinio Merula, Jan Pieters Sweelink, Johann Valentin Rathgeber, Johann Rosenmüller, und Johann Sebastian Bach. Im Vino e Cultura bot sich an, den Flügel vor Ort miteinzubeziehen und noch ein Stück von Robert Schumann ins Programm zu nehmen, sodass das 19. Jahrhundert, auf das Jacob Böhme eine große Wirkung ausübte, auch in der Musik repräsentiert war.

Der in Görlitz lebende Schauspieler und Böhme-Freund Moritz Manuel Michel verlas ausgewähltTextpassagen, vornehmlich von Jacob Böhme, die zum Thema haben, dass Gottes Geschöpfe als seine Instrumente wirken. Verknüpft wurden Böhmes musikalische Metaphern über den menschlichen Geist mit Auszügen aus Hildegard von Bingen und Gotthilf Heinrich von Schubert, in denen verwandte Gedanken anklingen.

Als Organisatorin ist es Dr. Claudia Richter gelungen, gleich zwei einmalige Konzerte umzusetzen, die zwar das gleiche Thema, dennoch eine unterschiedliche Zusammensetzung an Stücken und Texten umfassten. Diese mutige Auswahl honorierten viele Besucher, die sowohl am Freitag und als auch am Sonntag beide Barockkonzerte besuchten und voll des Lobes waren.

Großen Anklang fanden auch die Plakate und Handzettel, die von Frau Dr. Richter in Zusammenarbeit mit Gabriele Melzer-Heinicke von der Magnet Werbeagentur entworfen und umgesetzt wurden. Auch der Agentur gilt unser herzlicher Dank für die unkomplizierte und erfreuliche Zusammenarbeit. Die Plakate können weiterhin für 5.- Euro über die Gesellschaft bezogen werden.

Unser besonderer Dank gilt den Künstlerinnen und Künstlern, insbesondere Ulrike Scheytt, die es uns ermöglichten, Jacob Böhme in einem neuen Kontext zu präsentieren und seinen Geist im 21. Jahrhundert in einer unmittelbar zugänglichen Weise wieder aufleben zu lassen.

Die Gesellschaft hatte bei der Planung des Konzerts "Jacob Böhme und die Musik" am 30. Juli die Bestimmung des traditionsreichen Gebäudes der Dreifaltigkeitskirche im Blick, wo mit Unterstützung der Evangelischen Kirche, der Stadt Görlitz, des Landes Sachsen und des Bundes das zukünftige Jacob-Böhme-Zentrum realisiert werden soll.

Von links nach rechts: Moritz Manuel Michel, Ulrike Scheytt, Mira Walerych-Szary, Eva Scheytt  und Leon Szostakowski